Bernds Floh

Der historische Anlass für meinen Sommer mit Napoleon liegt eine ganze Zeit zurück. Genauer gesagt 8 Monate. Damals waren wir mal wieder eingeladen. Endlich hatte es geklappt und ein gemeinsamer Termin war gefunden, so dass wir Antje und Bernd eines schönen Augustabends besuchten. Ein Besuch bei den beiden ist immer mit wunderbarem Essen und hervorragendem Wein verbunden. So war es auch diesmal. Mit nur einem kleinen Unterschied: einige der köstlichen Speisen wurden auf einem Grill zubereitet. Aber was sage ich! Nicht auf einem Grill. Auf dem Grill. Als ich Bernd auf die Terrasse folgte, meine Augen eigentlich nur auf die Sate-Spießchen gerichtet, ging plötzlich die Sonne auf, grell leuchtend, so dass ich, geblendet vom gleißenden Licht den Blick senkte und die Augen zukniff. Erst ganz langsam gewöhnten sich meine Augen an den Glanz. Als ich sie wieder ganz zu öffnen wagte, stand er vor mir, in seiner ganzen Pracht. Bernds neuer Weber-Gasgrill! Die Sate-Spieße gerieten sofort in die Statistenrolle. Eine Probefahrt, ein Rundflug, ein Blick unter die Motorhaube, zärtliches berühren der verchromten Amaturen, dieser Heilige Gral der Grillkunst eroberte mich im Sturm, der sicher allerdings legte, als Bernd mir verriet, was er dafür bezahlt hatte. Ich musste ihm dringend versprechen, Antje keinesfalls etwas zu erzählen. Im Geiste rechnete ich gerade durch, wieviele Sommerurlaube ich für solch einen Boliden streichen müsste. Mir wurde schwindelig. Als ich wieder festen Boden unter den Füßen spürte, stieg mir der Duft der Sate-Spieße in die Nase und sie und der Lachs und das Lamm lenkten meine Sinne für den Rest des Abends einigermaßen ab. Ich glaube der Rotwein tat sein übriges. Doch auf der Heimfahrt im Taxi begann es irgendwo in der Ohrengegend zu jucken. Es juckte und juckte und hörte nicht mehr auf. Irgendwie musste ich mir einen Floh eingefangen haben und der Floh, genauer Bernds Floh, saß mitten in meinem Ohr. Und machte es sich gemütlich.

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