Der 1. Mai in Krötenbruck

Jedes Jahr am 1. Mai bin ich wieder begeistert, wie viele Menschen hier bei uns in Krötenbruck sich einsetzen, damit das Fest rund um den Maibaum stattfinden kann. Besonders freue ich mich darüber, dass seit Jahren das Maifest mit einem Gottesdienst unserer Kirchengemeinde begonnen wird. Gemeinsam mit dem Kindergarten wird in jedem Jahr dieser Gottesdienst vorbereitet und durch die Fantasie und natürlich das große Engagement der Mitarbeiterinnen wird diese Feier immer zu einem bunten und fröhlichen Start des Festes.
Natürlich ist Krötenbruck ein Stadtteil von Hof, doch irgendwie sind wir hier unsere ganz eigene Welt geblieben. Ich will nicht sagen, dass Krötenbruck ein Dorf ist, das klingt viel zu negativ und trifft damit nicht den Kern, aber das Schöne, das Persönliche und damit Mitmenschliche eines Dorfes hat unser Quartier schon. Bei uns steht die Kirche tatsächlich noch mitten im Dorf – und das tatsächlich wortwörtlich – soll heißen, man kennt sich und freut sich, wenn man einander trifft, man genießt es, miteinander über Gott und die Welt zu quatschen und manchmal auch zu tratschen.
Es überrascht mich gar nicht, dass die Hofer Politprominenz regelmäßiger Besuchee dieses Maifestes ist, denn der persönliche Kontakt zum Wahlvolk ist natürlich wichtig. Doch wenn man sie eine Weile beobachtet, genau in ihre Gesichter schaut, dann sieht man dass sie ganz einfach Spaß haben, denn es ist schön in Krötenbruck zu feiern.
Nun ist es ja kein großes Geheimnis, dass unsere Region ganz stark vom Strukturwandel betroffen ist. Menschen werden immer älter, die nachfolgenden jüngeren Generationen verlassen unsere Region und ziehen in die Ballungszentren, der Arbeit wegen und wie manche behaupten, um der Kultur willen. Letzteres kann ich nicht wirklich nachvollziehen, denn Hof hat ein außerordentliches kulturelles Angebot, aber das ist ein anderes Thema und wäre es wert, zu gegebener Zeit hier einmal betrachtet zu werden. Dieser erwähnte Strukturwandel nun zeigt sich besonders hier in Krötenbruck, denn unser Stadtteil überaltert. In dieser Situation betrachte ich solche Feste wie das Maifest als ganz wichtige soziale Einrichtung, die Kontakte und Begegnungen ermöglicht. Mir scheint es wichtig zu sein, dass gerade alten Menschen, deren Kommunikationsmöglichkeiten naturbedingt immer weniger werden, immer wieder Orte finden, an denen Begegnungen möglich werden. Wenn man dabei dann ein gutes Stück Kuchen, ein paar Bratwürstchen, oder einen schmackhaften Hofer Schnitz genießen kann, lohnt sich der Besuch doppelt. Ich sehe dieses Maifest, das ja von der Interessensgemeinschaft Krötenbrucker Geschäftsleute veranstaltet wird, also nicht den Versuch, den eigenen Betrieb, das eigene Geschäft ins Gespräch zu bringen, geschweige denn Kasse zu machen. In den nunmehr sechs Jahren die ich hier in Krötenbruck wohne, meine ich erkannt zu haben, dass es der Interessensgemeinschaft gerade um diese Orte der Begegnung geht, die für die Menschen, deren soziale Kontaktmöglichkeiten weniger werden, so wichtig sind. Nun gibt es ja leider immer wieder Menschen, die nicht darüber glücklich sind, dass Kirche in die Bierzelte geht, Gottesdienste in sehr weltlicher Umgebung stattfinden. Hier mag man nun entgegnen, dass Jesus  ja schon zu den Menschen hinging und nicht darauf wartete, dass sie zu ihm kommen (was sie aber natürlich auch getan haben). Kirche, gerade Dreieinigkeitskirche in Krötenbruck, will Kirche sein, die zu den Menschen geht, Kirche, die dort von Gott erzählt, wo Menschen sich treffen. Es muss meines Erachtens Absicht von Kirche sein, solche Personen und Gruppen, die Orte der Begegnung schaffen wollen, zu begleiten und zu unterstützen. Deshalb ist es richtig und gut, dass wir unsere Maifest in Krötenbruck mit einem Gottesdienst beginnen, deshalb ist es richtig und gut, dass dieser Gottesdienst von Kindern des Kindergartens gestaltet wird, denn hier wird Begegnung über die Generationen hinweg möglich.
Treffen wir uns in Krötenbruck!

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