Die Casa Carlotta

Nun, wo fange ich an? Vielleicht bei den Menschen, denen ich auf meiner Reise in den Süd-Osten von Sizilien begegnet bin. Dazu muss ich allerdings zunächst ins Allgäu, genauer gesagt an den Forggensee, in das Landgasthaus Schwarzenbach. Dort begegnete mir Moni, als ich abends, am Dienstag, dem dortigen Ruhetag ankam und und nach telefonischer Absprache den Zimmerschlüssel in irgendeiner Blumenrabatte suchte, direkt neben dem Seiteneingang. Nur fand ich nicht mal den Haupteingang, geschweige denn irgendeinen Nebeneingang und im schummrigen Licht einer fadenscheinigen Außenbeleuchtung waren Blumen für mich nicht von frischer Allgäuer Scharfgarbe zu unterscheiden. So rüttelte ich gerade an einer Tür, die sich tags drauf als Zugang zum Altglasdepot des Großvaters entpuppte, als eine freundliche Frauenstimme rief: „Kann ich Ihnen helfen?“ Meinen Erklärungsversuch, inklusive Nebeneingang und Blumenrabatte, quittierte sie mit einem kurzen „Na, dann schauen wir mal“, ging forschen Schrittes voran und verschwand hinter einer Hausecke. Bevor ich, außer Atem und röchelnd wie ein Brauereigaul auf dem Wiesenumzug, der energiegeladenen Moni hinter die Hausecke folgen konnte, erschien sie auch schon wieder mit einem Schlüssel in der Hand. „Sie haben den Maximilian, dort im 1. Stock, gleich neben der Sissi“, rief sie triumphierend. Dabei deutete Sie auf ein Nebengebäude, von dem ich die ganze Zeit den Eindruck hatte, dass die Weihnachtsbeleuchtung wohl vergessen worden war und nun, gut drei Monate vor dem Fest, die Demontage auch nicht mehr lohne. Eigentlich bin ich ja selber Schuld. Da buchst du Businessclass für den Flug nach Sizilien, der Bequemlichkeit wegen, und dann stehst du plötzlich mit drei völlig überladenen Koffern am Fuße einer Treppe, an der deren oberen Ende der Maximilian gleich neben der Sissi zu finden ist. Das gesamte Parterre des dezent illuminierten Weihnachtslichterhauses beherbergt den Wellnessbereich des Landgasthauses Schwarzenbach, mit verschiedenen Saunen, Dampfbad, Infrarot-Kabine, großem Ruheraum, Massageraum und Duschlandschaft, für einen Aufzug, hinauf zu Sissi und Maximilian hatte es dann wohl nicht mehr gereicht. Und wieder kam mir die Assoziation mit dem Brauereigaul vom Wiesenumzug. Auf halben Weg hinauf überholte Moni mich, schwungvoll und gewandt. „Ich helfe Ihnen gerne“, flötete Sie. Doch nach der Niederlage an den Blumenrabatten konnte ich nicht schon wieder kapitulieren und rief mit der letzten Luft, die mir verblieben war „Danke, Danke, kein Problem…“. Bevor ich wieder zu Atem kam, war sie dann auch schon oben verschwunden. Ich ahne, da gibt es mehr, als Maximilian und Sissi. In dieser Nacht schlief ich tief, fest und traumlos – oder war es eine Erschöpfungsohnmacht?

Ich begegnete Moni tatsächlich wieder, am nächsten Morgen und wieder im Treppenhaus. Auf dem Weg zum Frühstück ich, sie wohl auf dem Weg zur Arbeit, wie ich aus ihrer adrett blauen Uniform einer Flugbegleiterin schloß. Tatsächlich, die Stewardessen geben sich nicht nur freundlich, hilfsbereit und voller Motivation, sie sind es offensichtlich. Monis Arbeitgeber erkannte ich an ihrem markanten gelben Halstuch. Die Airline mit der Gabel am Heck kann sich glücklich schätzen, solch eine Mitarbeiterin in den Reihen ihres fliegenden Personals zu haben. Hey Siri, erinnere mich bitte, dass ich mich mal mit den Lufthansaaktien beschäftige.

„Eine schönen Tag, Euch“, „bei Euch alles in Ordnung“, „habt ihr noch einen Wunsch“, diese Worte schwangen durch den Frühstücksraum, den ich erreichte, während ich noch darüber nachsann, warum eine Stewardess im Landgasthaus Schwarzenbach am Forggensee, unweit von Füssen und im Schatten von Schloss Neuschwanstein wohnte. Ich rätselte sofort weiter, wer es denn schaffe, so früh am Morgen, es war 9.00 an meinem 2. Urlaubstag, soviel Lebensfreude zu versprühen. Ohne Kaffee kann ich nicht kämpfen. Zunächst dachte ich, ich entdecke John Corbett. Wow, mein erster Promi. Ihr wisst schon, der irische Bräutigam aus „My big fat greek wedding“. Doch dann fand ich heraus, dass Martin Schwarzenbach, Eigentümer des Landgasthauses Schwarzenbach, begnadeter Koch einer Küche, die mit regionalen Produkten zaubert, und Freund und Lebensgefährte von Moni – aha, ein Rätsel gelöst – sich äußerst freundlich und zugewandt seinen Gästen widmete. Er behielt sein Lächeln auch gegenüber der rheinischen Frohnatur am Nachbartisch, die den ganzen Morgen jammerte und von Schnee im Allgäu faselte. Also, meine App kündigte heute 22 Grad an. Die Tage am Forggensee und in und rund um Maximilian – gleich neben Sissi – waren ein Urlaubsauftakt nach Maß, nicht zuletzt wegen eines urigen Kellners in wahlweise kurzer oder langer Lederhose, mit Rauschebart und immer währender Freundlichkeit, mit Witz und Humor, stets den Gästen eine Anekdote aus seinem Leben, reichen an Urlauberbegegnungen und dem damit verbundenen Irrsinn, präsentierend. Leider habe ich kein Wort verstanden. Allgäuer Dialekt ähnelt nich dem Oberfränkischen.
Apropos Irrsinn, ein Mann hat es dann doch in meine Erinnerungs-Top-3 gebracht. Zur Kaffeezeit, auf der wunderschönen Terrasse des Landgasthauses Schwarzenbach am Forggensee, bei herrlichem Sonnenschein, mit Blick auf Neuschwanstein und Hohenschwangau, einen köstlichen Russen genießend sitze ich im Schatten eines der großen Terrassenschirme, wie etwa 25 andere Gäste auch, als plötzlich ein älterer Herr kommt und an verschieden Tischen die Gäste anspricht, zwischen Kaffee und Kuchen – wenn denn die Gäste Kuchen hatten, denn der Lederhosen tragende Urallgäuer hatte keine Kuchenkarte, sondern zählte die vorhandenen Kuchen einfach auf – dieser ältere Herr sprach also die Gäste an und stellte immer wieder die selbe Frage „Ist hier offen, oder ist heute Ruhetag?“. Nachdem er etwa 10 Tische befragt hatte rief die Terrassenmannschaft unisono „Heute ist Ruhetag, wir sind das Personal!“
Fazit: Das Landhotel Schwarzenbach in Rieden am Forggensee lohnt einen Besuch. Aber der Weg zur Casa Carlotta in Süd-Ost-Sizilien ist weit.

Fundstück des Tages

Aus der SZ vom 16.5.2015: „Die Milch macht´s nicht mehr“ von Jenny Hoch

„Wann ist aus Sex, Drugs und Rock ´n´ Roll eigentlich Veganismus, Laktoseintoleranz und Helene Fischer geworden?“

 

Himmelfahrt

Wo ist der Himmel?
Aufgefahren in den Himmel. Wo ist das? Oben, unten, links, rechts …
Ich sehe den Himmel, wenn ich nach oben schaue, oder? …
Ich habe einen Globus. Da ist alles drauf. Europa. Da kann man genau sehen wo wir hier in Deutschland leben…
Man sieht Asien, China, Bali…
Russland, Nordpol
Ich sitze gerade in Hof, am Gartentisch. Und wenn ich in den Himmel schaue, schaue ich also nach oben. „Himmelfahrt“ weiterlesen

Fernweh Diner

Ich freue mich schon seit einiger Zeit auf Gabis Geburtstag. Natürlich, weil ich sie lange nicht gesehen habe und es bestimmt viel zu erzählen gibt. Ich freue mich aber auch auf die Feier, denn Gabi hat ins Hofer Fernweh-Diner eingeladen. Ich werde das erste Mal dort sein, in diesem Restaurant mit amerikanischem Flair und Ambiente. Als es eröffnet wurde, waren die Schlagzeilen in der Frankenpost fett. Dieses neuartige Restaurant wurde gefeiert als neueste Sensation und Attraktion unserer Stadt. „Fernweh Diner“ weiterlesen

Der 1. Mai in Krötenbruck

Jedes Jahr am 1. Mai bin ich wieder begeistert, wie viele Menschen hier bei uns in Krötenbruck sich einsetzen, damit das Fest rund um den Maibaum stattfinden kann. Besonders freue ich mich darüber, dass seit Jahren das Maifest mit einem Gottesdienst unserer Kirchengemeinde begonnen wird. Gemeinsam mit dem Kindergarten wird in jedem Jahr dieser Gottesdienst vorbereitet und durch die Fantasie und natürlich das große Engagement der Mitarbeiterinnen wird diese Feier immer zu einem bunten und fröhlichen Start des Festes. „Der 1. Mai in Krötenbruck“ weiterlesen

Wie ich das sehe

Meine kleine Welt, alltäglich, manchmal all zu alltäglich

Ich erzähle von dem, was mir begegnet, was ich sehe und verstehe, oder grad auch nicht verstehe, was ich denke und mich bewegt, schau nach oben und erzähl von dem, was ich glaube und hoffe.

Und bei allem Schreiben und Erzählen lerne ich, für mich, für meinen Alltag und für das Leben. Hoffentlich aber möglichst schnell, wie man dieses Blog-Programm richtig nutzt.